Dienstag, 16. September 2014

Die Schwanenfamilie

Heute morgen war ich wieder einmal am See, nach der Schwanenfamilie schauen.
Hatte nur leider meinen Fotoapparat zu Hause vergessen...

Familie Schwan war - natürlich - anwesend. Die sechs Kleinen, sind gar nicht mehr soo klein.
Sie stehen größenmäßig ihren Eltern in nichts nach. Haben auch keinen Daunenflaum mehr, sondern richtige Federn. Noch braun, wie das Kindergefieder, aber auch nicht mehr flauschig, wie die Babys.
Und wenn sie sich strecken, schütteln, putzen, sieht man im Untergefieder schon das Weiß durchschimmern. Das kommende, stolze Schwanenweiß. Nicht umsonst sagt man ja, aus einem grauen "Entlein" wird in dem Falle ein stolzer Schwan. Da gab es doch mal ein Märchen ... von Hans Christian Andersen?

Jedenfalls habe ich mich auf einer Bank am Rande niedergelassen und das Geschehen beobachtet.
Ein wohlmeinender Zeitgenosse war vorerst - einige Meter entfernt - damit beschäftigt, die Tiere zu füttern. Sie fraßen ihm praktisch aus der Hand. Weißbrot! Das reinste Gift für freilebende Wildvögel. Es quillt im Magen auf und gaukelt falsche Sättigungsgefühle vor. Auch für Enten ist dies ein denkbar ungeeignetes Zubrot. Aber ich will hier nicht klugschietern, sondern von meinen Beobachtungen erzählen...

Nach wenigen Minuten war Familie Schwan wieder auf dem See unterwegs. In der altbewährten Formation, Mama vorweg, Kinners dazwischen und Papa - wachsam und streitbar -mit einigem Abstand seitlich hinterher.

Ich saß also so für mich hin - auf meiner Banke am Ufer - beobachtete den Reiher, der kreischend nordwärts strich. Wo hat er heute seine Partnerin gelassen?
Ein Fuchs striff am gegenüberliegenden Ufer entlang, soff kurz am Rand und jagte, alleine durch seine Anwesenheit, eine Wildentenfamilie in die Höhe.
Plötzlich kam Familie Schwan längsseits geschwommen. Mama schnatterte ihren Kindern irgendwas vor, und alle sechs kamen direkt vor mir am Ufer grasen. Vom Wasser aus schnäbelten sie die taubetropften frischen Grashalme auf.
Papa - wie immer ein wenig abseits - brauchte ein wenig länger zum Anlanden. Dafür tat er dies dann wirklich, kletterte aus dem Wasser und watschelte in meine Richtung. In ca. anderthalb Meter Abstand zu mir blieb er stehen und schnatterte mir was vor. Zwischendurch beäugte er mich immer wieder ganz genau. Vögel haben es ja nicht so einfach. Durch ihre seitlich angeordneten Augen müssen sie ihren Kopf in die Richtung drehen, in die sie schauen wollen. Genau das tat der Schwanenpapa. Zum Schnattern mußte er aber offenbar den Kopf wieder gerade drehen, fragt mich nicht, wieso. Jedenfalls dauerte das Schauspiel eine ganze Weile. Er hat nicht gezischt - wie wenige Minuten zuvor, als er einen Hund vom Ufer vertrieben hat - nur "geredet". Grade so, als wollte er mir mitteilen, daß der See ihm gehört und ich da gefälligst nicht so nah zu sitzen habe und seine Kinder nicht bedrohen solle.
Ich habe ihm beruhigend zugeredet. Er schaute sich auch immer wieder nach seiner Familie um und als die anderen Sieben beschlossen, es ist genug gegrast, wir schwimmen weiter, watschelte auch Papa Schwan wieder unbeholfen und schwerfälllig - nicht so einfach, wenn man Schwanenfüße hat - zum Wasser, ließ sich reinplumpsen wie so ein überfülltes U-Boot und schwamm seiner Familie hinterher.

Ja, ich muss zugeben, ganz egal war es mir nicht, als der Vogel da so nah vor mir stand, Schwäne sind schon wehrhafte Vögel und können ganz schmerzhaft hacken, aber ich war einfach fasziniert von der Nähe und dem Selbstbewußtsein dieses Tieres.

Danke Euch fürs Lesen, auch ohne neckische Bildchen ;-)


Kommentare:

  1. Eine wunderschöne Herbstgeschichte.

    L.G.
    Martina (Häkelmaus)

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  2. Oh Salina...ein schönes Erlebnis!
    Ich hab ja gehörigen Respekt vor Schwänen, seit ich als kleines Kind mal von einem sprichwörtlich in den A.....llerwertesten gebissen wurde!
    LG Silke

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  3. Salina, Danke fürs Erzählen und uns Teilhabenlassen.
    Wie oft übersehen wir die schönen Sachen gleich nebenan. Du erinnerst uns wieder daran.

    LG Chris61

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